KI-Glossar ·Grundlagen

Schwache KI

Auch: Weak AI, Starke KI, Strong AI, Schwache und starke KI, Narrow AI, Enge KI

Die Unterscheidung zwischen schwacher und starker KI stammt von John Searle (1980) und betrifft nicht die Leistung, sondern den Status: Schwache KI handelt, als ob sie denkt; die These der starken KI besagt, dass ein passend programmierter Computer tatsächlich einen Geist besitzt.

Searles Unterscheidung

John Searle führte das Begriffspaar 1980 ein. Die schwache These beansprucht wenig: Ein Computer ist ein nützliches Werkzeug, um Geistiges zu untersuchen und nachzubilden — er verhält sich, als ob er dächte. Die starke These geht weiter: Ein passend programmierter Computer ist ein Geist, er versteht tatsächlich und hat mentale Zustände. Searle selbst hielt die schwache These für unstrittig und griff die starke an; sein bekanntestes Argument dagegen trägt den Namen Chinesisches Zimmer.

Keine Aussage über die Leistung

Entscheidend ist, was die Unterscheidung nicht betrifft: die Leistungsfähigkeit. Ein System könnte jede Aufgabe auf menschlichem Niveau lösen und wäre nach Searle immer noch nur schwache KI, solange offen ist, ob dabei Verstehen im Spiel ist. Umgekehrt ließe sich die starke These nicht durch eine Prüfung entscheiden, denn geprüft wird stets Verhalten.

Die Bedeutungsverschiebung

Im heutigen Sprachgebrauch hat sich „schwache KI" von Searle gelöst und meint oft etwas anderes: eine auf ein Gebiet spezialisierte KI, im Gegensatz zu einer allgemeinen (AGI). In dieser Lesart ist ein Schachprogramm schwache und ein hypothetisches Allzwecksystem starke KI — eine Aussage über den Umfang der Fähigkeiten, nicht über Bewusstsein. Beide Verwendungen sind verbreitet, und sie werden regelmäßig vermischt.

Weshalb das zählt

Aus der Vermischung entstehen Scheindebatten. Die Frage „Sind wir kurz vor starker KI?" bedeutet in der einen Lesart „Kommt bald ein System, das alles kann?" — eine technische Prognose. In der anderen bedeutet sie „Wird eine Maschine bald wirklich verstehen und erleben?" — eine philosophische Frage, für die es keinen Messwert gibt. Wer beide Fragen zusammenwirft, redet aneinander vorbei.

Verwandte Positionen

Searles eigene Position nennt er biologischen Naturalismus: Bewusstsein sei ein biologisches Phänomen, das an die Beschaffenheit von Gehirnen gebunden ist. Die Gegenposition, der Funktionalismus, hält allein die Organisation für maßgeblich — was sie umsetzt, sei gleichgültig. Entschieden ist keine der beiden.

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