KI-Glossar ·Geschichte Beispiel

SHRDLU

Auch: Blockwelt, Blocks World

SHRDLU ist ein von Terry Winograd um 1970 entwickeltes Programm, das natürlichsprachige Anweisungen in einer Welt aus Klötzen ausführt und Fragen dazu beantwortet — der eindrucksvollste Sprachverstehens-Erfolg der symbolischen KI.

Das Programm

Terry Winograd entwickelte SHRDLU zwischen 1968 und 1970 am MIT und legte es 1971 als Dissertation vor. Der Name stammt aus „ETAOIN SHRDLU“, der Tastenanordnung der Linotype-Setzmaschine nach Buchstabenhäufigkeit. Geschrieben war es in Lisp und der Planungssprache Micro-Planner für einen PDP-10.

Die Mikrowelt

SHRDLU beherrscht einen kleinen, vollständig formalisierten Ausschnitt: einen Tisch mit farbigen Klötzen, Pyramiden und einer Kiste, dazu einen Greifarm. In dieser Blockwelt kennt das Programm jedes Objekt und jede Beziehung. Es nimmt englische Sätze entgegen, führt Anweisungen aus („Nimm einen großen roten Klotz“), beantwortet Fragen zum Zustand und begründet sein Handeln — auf „Warum hast du das getan?“ antwortete es sinngemäß, es habe den Klotz wegräumen müssen, um den gewünschten zu erreichen.

Die sprachliche Leistung

Bemerkenswert war weniger das Ausführen als das Auflösen von Bezügen. SHRDLU verstand Pronomen („Setze ihn auf den grünen“), mehrdeutige Beschreibungen und Rückfragen zum eigenen Vorgehen, und es merkte sich den Gesprächsverlauf. Möglich war das, weil Sprache, Weltmodell und Handlungsplanung in einem System zusammenliefen: Die Bedeutung eines Satzes war die Wirkung, die er in der Blockwelt hatte.

Die Grenze

Genau diese Verzahnung war die Schranke. Das Verstehen hing daran, dass die Welt klein, geschlossen und vollständig beschrieben war. Für die wirkliche Welt hätte man alle Objekte, Eigenschaften und Regeln von Hand formalisieren müssen — dasselbe Problem, an dem später Cyc arbeitete. Winograd selbst zog daraus Konsequenzen: Er wandte sich von der symbolischen Sprachverarbeitung ab und veröffentlichte 1986 mit Fernando Flores Understanding Computers and Cognition, eine grundsätzliche Kritik an der Vorstellung, Verstehen ließe sich als Regelanwendung fassen. Die Winograd-Schema-Challenge, ein Test für Pronomenauflösung mit Alltagswissen, trägt bis heute seinen Namen.

Abgrenzung zu ELIZA

ELIZA und SHRDLU stammen aus derselben Epoche und werden oft zusammen genannt, arbeiten aber gegensätzlich. ELIZA hat kein Weltmodell und formt Eingaben nach Mustern um; SHRDLU besitzt ein vollständiges Modell seiner Welt und leitet daraus ab, was ein Satz bedeutet. ELIZA wirkte verständig, ohne es zu sein; SHRDLU verstand tatsächlich — nur eine sehr kleine Welt.

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