Claude Mythos findet Schwächen in Kryptografie-Kandidaten

9/10 PyGround Redaktion 31.07.2026 Benchmarks & Evals Frontier-Modelle Research

Anthropic hat sein stärkstes Modell, Claude Mythos (als Preview-Version ohne die üblichen Schutzschranken), gezielt auf kryptografische Verfahren angesetzt. Zwei Ergebnisse stechen heraus.

Erstens: HAWK, ein Kandidat im Standardisierungsverfahren der US-Behörde NIST für Post-Quanten-Signaturen (Verfahren, die auch Quantencomputern standhalten sollen), verliert drastisch an Sicherheit. Der von Mythos gefundene Angriff drückt den Aufwand bei HAWK-256 von 2^64 auf 2^38 Operationen — das ist auf gewöhnlicher Hardware machbar.

Zweitens: Bei einer auf 7 Runden reduzierten AES-Variante beschleunigt ein neu gefundener "Möbius Bridge"-Ansatz bekannte Angriffe um den Faktor 200 bis 800. Die produktiv eingesetzte AES-Vollversion mit 10 und mehr Runden bleibt unberührt, ebenso alle anderen im Alltag verwendeten Verfahren.

Der Aufwand dahinter ist beträchtlich: rund 100.000 Dollar API-Kosten je Finding, und zwei Forscher brauchten fast einen Monat, um den AES-Angriff zu verifizieren. Anthropic beschreibt außerdem, dass die Modelle anfangs zögerten, etablierte Verfahren überhaupt ernsthaft anzugreifen, und im Discovery-Prozess regelrecht dazu ermutigt werden mussten.

Parallel erscheint mit CryptanalysisBench (gemeinsam mit ETH Zürich, Universität Tel Aviv und TU Berlin) ein Benchmark aus 191 Kryptoanalyse-Aufgaben. Frontier-Modelle lösen 65 bis 86 Prozent der Aufgaben mit bereits bekannten Angriffen; bei Verfahren voller Stärke brechen sie je nach Modell 6 bis 12 Schemata. Das klingt nach wenig, folgt aber dem Muster früherer Benchmarks: Erste Ausschläge in einem Feld werden selten wieder kleiner. Verschlüsselte Daten, die heute mitgeschnitten werden, könnten in wenigen Jahren lesbar sein.

Quellen

Quelle: https://www.anthropic.com/research/discovering-cryptographic-weaknesses