Saarbrücken in 3D: vierzehn Wahrzeichen von Claude und eine Innenstadt aus Landesdaten

30.09.2026 19:54

In meiner Three.js-Stadt stehen seit dem 30. September vierzehn Saarbrücker Wahrzeichen, die Claude Opus 5.5 nach Fotos gebaut hat, vom Schloss über die Ludwigskirche bis zum Hauptbahnhof. Zehn davon entstanden an einem Abend in parallelen Sitzungen. Hier steht, wie die Modelle entstehen, warum die Spielzeugstadt drumherum nicht mithält und wie aus den offenen Geodaten des Saarlands eine erste realistische Innenstadt wurde.

Aus dem Ludwigskirche-Test wurde ein Bauauftrag

Ausgangspunkt war mein Test mit der Ludwigskirche. Opus 5.5 hatte dort Punkte in den Fotos vermessen, daraus die Kamerastandpunkte berechnet und sein Modell so lange aus denselben Blickwinkeln gerendert und verglichen, bis es passte. Dieses Vorgehen habe ich als Auftrag für jedes weitere Gebäude festgeschrieben: Fotos von Wikimedia Commons, der Grundriss aus OpenStreetMap als Maßstab, ein prozedural erzeugtes Modell in Three.js und am Ende eine GLB-Datei (ein verbreitetes 3D-Format) unter 8 MB, die die Stadt an der richtigen Stelle einsetzt.

Jedes Gebäude bekommt eine eigene Cloud-Sitzung von Claude Code. Sie klont das Repository, baut und liefert das Ergebnis als Pull Request zurück. Eine Sitzung brauchte zwischen 28 und 62 Minuten, laut den Sitzungsdaten kosteten die ersten drei Gebäude je 14 bis 17 Dollar. Die fertigen Dateien sind 1,5 bis 7,6 MB groß.

Links ein Commons-Foto des Saarbrücker Schlosses (AnRo0002, CC0), rechts das Modell von Opus 5.5 aus demselben Blickwinkel

Was die Sitzungen in den Fotos finden

Jede Sitzung schreibt auf, wo ihr Modell von den Fotos abweicht, und diese Notizen sind oft lehrreicher als das Modell. Beim Rathaus stellte sie fest, dass zwei der Commons-Fotos entzerrt sind, also nachträglich perspektivisch begradigt. Das Gebäude ist darauf gestaucht, die Höhen aus diesen Fotos mussten um den Faktor 1,22 gestreckt werden. Bei der Alten Brücke maß die Sitzung die Fahrbahn 6,25 Meter über dem Wasserspiegel. Im Geländemodell des Landes liegt die Uferstraße 6,3 Meter über der Saar.

Die Spielzeugstadt ist für die Modelle zu dunkel

In der Stadt wirken die Modelle schwächer als allein. Das Licht dort ist für bunte Klötze eingestellt: Eine weiße Fläche erreicht nur etwa 170 von 255 Helligkeitsstufen. Damit die Sandsteinfassaden nicht grau werden, leuchten die Modelle tagsüber ein wenig aus sich selbst heraus. Das ist ein Behelf. Daneben stehen weiter die Gebäude aus OpenStreetMap als einfache Klötze, und neben einem vermessenen Schloss fällt ein Klotz mehr auf als neben einem Spielzeugschloss.

Offene Landesdaten für die übrigen Häuser

Allein auf dem Quadratkilometer um die Basilika stehen 1.819 Gebäude. So viele verzeichnet das amtliche 3D-Gebäudemodell des Landes, das für jedes Haus die gemessene Höhe und die Dachform enthält (in der Fachsprache LoD2). Das Landesamt für Vermessung, Geoinformation und Landentwicklung gibt es frei heraus, dazu ein Luftbild mit 20 Zentimetern je Pixel aus dem Frühjahr 2025, Gelände- und Oberflächenmodell im Ein-Meter-Raster und einen Laserscan. Satelliten helfen hier nicht: Sentinel-2, das freie Angebot der EU, löst zehn Meter auf.

Ausschnitt aus dem Luftbild des Landes mit 20 Zentimetern je Pixel: die Altstadt von St. Johann mit dem Marktplatz, © GeoBasis DE/LVGL-SL 2026

Eine erste Probe steht online: vier Quadratkilometer Innenstadt mit 5.672 Häusern aus dem Landesmodell, die Dächer mit dem Luftbild belegt. Die 7.672 Bäume stammen aus dem Oberflächenmodell. Was über den Boden ragt, kein Haus ist und im Infrarotkanal des Luftbilds grün erscheint, wird Baum. Dazwischen stehen dreizehn der Wahrzeichen, der Bahnhof liegt knapp außerhalb.

3D-Modell der Saarbrücker Innenstadt aus Landesdaten mit Saarbogen, Staatstheater, Alter Brücke und Schloss

Hausklassen mit einem Generator je Klasse

Aus der Luft wirkt das schon echt, aus der Nähe verraten die einfarbigen Wände das Modell. Frei nutzbare Fotos der Straßenfronten gibt es nicht. Google verbietet in seinen Nutzungsbedingungen, aus Street View Inhalte abzuleiten, und Mapillary untersagt Datenauswertung ohne Genehmigung.

Deshalb will ich die Häuser in Klassen einteilen: das Gründerzeithaus im Blockrand, der schlichte Wiederaufbau der Fünfzigerjahre, das Geschäftshaus mit Rasterfassade, das Hochhaus mit Flachdach. Das Landesmodell kennt Nutzung, Höhe und Dachform jedes Hauses, OpenStreetMap bei gut zwei Dritteln die Zahl der Geschosse. Der Zensus 2022 nennt für Wohngebäude das Baujahr in Jahrzehnten auf einem 100-Meter-Raster, die Denkmalliste des Saarlands führt im Kern der Innenstadt 284 Einträge mit Baujahr. Claude soll für jede Klasse einen Generator bauen, der aus Grundriss, Höhe und Dachform ein Haus mit passenden Geschossen, Fensterachsen und Gesimsen erzeugt.

Das hat auch einen Kostengrund. Das Guthaben von 250 Dollar für die Cloud-Sitzungen dürfte nach den vierzehn Wahrzeichen weitgehend aufgebraucht sein, danach arbeite ich mit dem normalen Abo. Eine KI-Sitzung je Gebäude lohnt sich für vierzehn Wahrzeichen. Bei 1.800 Häusern je Quadratkilometer baut die KI die Werkzeuge, und die Häuser rechnet danach mein eigener Rechner.

Quellen

Die Städte: Spielzeugstadt, realistische Probe. Die Vorgeschichte: selbstgebaute Benchmarks und die Ludwigskirche, Opus 5.5 an der Ludwigskirche. Geodaten: Geobasisdaten-Übersicht des Geoportals Saarland, © GeoBasis DE/LVGL-SL 2026, Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – 2.0. Weitere Quellen: Zensus 2022, Denkmalliste Saarland, Sentinel-2, Google Maps Platform Terms, Mapillary Terms.

Stichworte

Anthropic Claude Code KI-Experiment

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