Seit Mai prüfe ich neue Modelle an der Ludwigskirche: dieselben drei Fotos, dieselbe Aufgabe, jedes Mal ein anderes Modell. Im Juli brauchte Opus 4.8 per Blender-Fernsteuerung eine Stunde Dialog für ein erkennbares Modell. Am 2. September bekam Fable 5.1 denselben Auftrag als einzelnen Prompt in Claude Code, auf Effort „hoch". Nach 17 Minuten stand ein begehbares Modell im Browser, das man sich in den Demos ansehen kann.
Die Aufgabe
Der Prompt war knapp: drei Fotos, daraus ein begehbares 3D-Modell als einzelne HTML-Datei mit Three.js, mit WASD und Maus zu umrunden, durch das Hauptportal zu betreten. Wichtig war mir der Satz, dass das Modell zeigen soll, was auf den Fotos ist, nicht eine typische Kirche. Genau daran waren im Mai fünf Anläufe gescheitert, weil das Wort „Kirche" jedes Mal einen Turm an der Schmalseite auslöste, egal was das Foto zeigte. Dazu die Anweisung, das Ergebnis aus den Blickwinkeln der Fotos selbst zu rendern, zu vergleichen und zu korrigieren, bevor es fertig meldet.

Was herauskam
Der Grundriss ist ein griechisches Kreuz mit abgeschrägten Innenecken, und auf den Abschrägungen sitzen Fensterpaare wie bei den Eckpavillons auf dem Foto. Der Turm steht über Vierung und Ostarm, nach Osten versetzt, so wie er auf dem Nordwest-Foto hinter dem mittleren Dachblock hervorschaut. Das war der Punkt, an dem im Mai alles zerbrach, und er saß diesmal im ersten Wurf. Schieferne Walmdächer mit Gauben, ein höherer Walmblock über der Vierung, grüne Firstknäufe. Pro Fensterachse ein Rundfenster unten, ein hohes Bogenfenster, ein Oval im Attikabereich. Balustrade mit Figuren auf Postamenten, roter Sockel, der gelb-rote Schichtenwechsel des Sandsteins als Streifentextur. Innen ein weißer Saal mit Emporen an drei Seiten und einem Kanzelaltar an der Ostwand, den die Fotos nicht zeigen; das ist erfunden.

Mein erster Eindruck: gar nicht schlecht. Ein Fehler fiel mir sofort auf. Das Portal wirkt von außen verschlossen, man kommt aber hinein. Das Modell hatte gemeldet, der Durchgang sei geprüft. Geprüft hatte es die Kollision: Der Besucher kam durch. Nicht geprüft hatte es den Blick von außen. Das Gewände war als Ring mit Loch gebaut, aber das Loch reichte fünf Zentimeter unter die Außenkontur, und die Triangulation schloss daraufhin die ganze Fläche. Eine sandfarbene Platte im Bogen, durch die man laufen konnte. Erst mit meinem Hinweis fand das Modell den Fehler, setzte das Loch nach innen, rückte die beiden Pilaster aus der Öffnung und stellte einen dunklen Windfang mit zwei aufgeschlagenen Türflügeln dahinter, damit die Öffnung auch als Öffnung zu lesen ist.
Was die Selbstprüfung gefunden hat
Das Interessanteste an diesem Lauf war, was zwischen dem ersten Wurf und dem Ergebnis passierte. Der erste Wurf hatte sechs Fehler, davon drei grobe. Die Wände waren zwei massive Kreuzriegel, sodass man durch das Portal auf die Stirnfläche des anderen Riegels blickte. Das Portalgewände war ein gefüllter Körper und verschloss seine eigene Öffnung. Decke und Emporen waren als Quadrate gebaut und ragten an den vier Außenecken aus dem Gebäude, als Platten auf Gesimshöhe sichtbar. Alle drei fand das Modell beim Vergleich seiner eigenen Renderings mit den Fotos und baute um: die Wände auf eine 1,6 Meter dicke Schale, das Gewände auf einen Ring mit Loch, Decke und Emporen auf Kreuzform. Ohne diese Schleife wäre das Ergebnis eine hübsche Fassade mit unbetretbarem Inneren gewesen. Dass der Ring dann selbst wieder zu war, zeigt die Grenze der Schleife: Sie prüft, was sie sich vorgenommen hat zu prüfen.
Das passt zu dem, was Anthropic für Fable 5.1 beschreibt und was Arnold Oberleiter in seinem Test beobachtet hat: Das Modell prüft sich selbst und korrigiert, und es tut das auch, wenn niemand zuschaut. Es erklärt zugleich, warum ein solcher Lauf so viele Ausgabe-Token kostet wie im Fable-5.1-Beitrag beschrieben. Etwa die Hälfte der 17 Minuten ging in die Prüfung.
Was es nicht ist
Ein Kunstwerk ist es nicht. Alles besteht aus Primitiven: keine Fensterprofile, keine Rokoko-Rahmen um die Ovale, die Figuren sind Kapseln mit Kugelkopf, die Turmhaube eine Halbkugel statt der geschweiften Barockhaube. Die Maße sind aus den Fotos geschätzt, nicht vermessen. Die Dächer der Arme sind fünf einzelne Walmkörper, an den Übergängen sichtbar, wo das Original einen durchlaufenden Walm hat. Die Umgebung ist mit drei weißen Palaisriegeln, Laternen und einer Pfostenkette nur angedeutet.
Und der Lauf hat eine Einschränkung, die ich nennen muss. Der Prompt lief nicht in einer leeren Sitzung, sondern in derjenigen, die vorher meine Prüfkriterien aufgeschrieben hatte. Das Modell wusste also, worauf ich achte: Turmposition, Kreuzgrundriss, Fensterordnung. Ein blinder Test ist das nicht. Der nächste Lauf startet in einem frischen Verzeichnis, mit demselben Prompt.
Die Reihe bisher
Mai 2026, lokale Modelle in einer Vier-Stufen-Pipeline: Turm am falschen Ort, Kirche aus dem Klischee. Juni, Metas SAM 3D aus einem Foto: unverkennbar, Turm richtig, aber ein Photogrammetrie-Netz ohne Innenraum und ohne Bauplan. Juli, Opus 4.8 per Blender-Fernsteuerung: erkennbar nach einer Stunde Dialog, stilisiert. September, Fable 5.1 aus einem Prompt: erkennbar nach 17 Minuten ohne Dialog, stilisiert, begehbar. Die Turmposition, an der im Mai fünf Modelle nacheinander scheiterten, ist inzwischen keine Hürde mehr. Die nächste Hürde ist die Barockhaube.
Quellen
Der Hintergrund zur Kirche als Prüfstück steht im Beitrag über selbstgebaute Benchmarks. Das Modell selbst: Ludwigskirche in den Demos, Tasten 1 bis 5 wechseln die Ansichten, WASD läuft, Klick ins Bild schaltet die Maus ein. Die Fotos stammen von Wikimedia Commons. Zu Fable 5.1: Fable 5.1: Cache zum Viertel, Denken nicht mehr abschaltbar.
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