Gibt es die KI-Blase? Klöckner bei „im Loop"

16.07.2026 12:19

Der Finanzfluss-Ableger „im Loop" hat Philipp Klöckner gut eine Stunde lang zur Leitfrage des Jahres befragt: Gibt es die KI-Blase, und wann platzt sie? Seine Antwort ist ein doppeltes Ja mit Fußnoten: Hype ja, vielleicht auch eine Blase — aber eine mit Funktion, deren Platzen die Technologie nicht mitreißen würde. Wir haben die Folge ausgewertet und mit Klöckners OMR-Auftritt vom Mai abgeglichen.

Blasen mit Funktion

Klöckners historischer Anker ist die Dotcom-Blase: Nasdaq-Werte verloren um 2000 teils 80 bis 95 Prozent, und trotzdem wuchs auf der damals verlegten Infrastruktur eine Ökonomie von heute rund 30 Billionen Dollar. Große Technologieblasen hätten „eigentlich immer eine Funktion": Sie finanzieren Infrastruktur, auf der später Geschäftsmodelle aufbauen. Bei Tulpenzwiebeln blieb nichts, bei der Eisenbahn die Schienen, bei Dotcom die Kabel und Rechenzentren.

Entscheidend ist für ihn, wer die aktuellen Investitionen stemmt. Amazon, Microsoft und Google (dazu Meta) verdienen mit ihrem normalen Geschäft jedes Jahr 50 bis 100 Milliarden Dollar — und geben davon derzeit sogar etwas mehr für KI aus, als hereinkommt. Verschätzen sie sich um 100 oder 200 Milliarden, haben sie zu teuer gebaut und zahlen ein paar Jahre ab; ihre Aktienkurse könnten 20 bis 40 Prozent nachgeben, pleite geht davon niemand. Anders die Firmen, die Rechenzentren überwiegend mit geliehenem Geld bauen und darauf wetten, dass die Mieteinnahmen für Rechenleistung später Zins und Tilgung übersteigen: CoreWeave und Oracle nennt Klöckner als Kandidaten, die sich „verheben" könnten. Es ist der Unterschied zwischen dem Hauskäufer, der bar bezahlt, und dem, der zu 90 Prozent auf Kredit kauft und die Raten aus der Miete bedient — fallen die Mieten, hat der eine zu teuer gekauft, der andere ein Existenzproblem. OpenAI wiederum wird nach Klöckners Rechnung bis zu den ersten schwarzen Zahlen 200 bis 500 Milliarden Dollar an Investorengeld aufbrauchen, „kompletter Wahnsinn" verglichen mit den rund 30 Milliarden, die Uber gebraucht hat. Anthropic dagegen rutschte im Juni „mehr oder weniger ungewollt" in die Gewinnzone, weil zu wenig gesicherte Rechenkapazität das eigene Wachstum bremste.

Der wahrscheinlichste Auslöser heißt China

Ein Platzen käme für Klöckner am ehesten über die Nachfrage: China als „Discount-Tokenfabrik", die schon heute gut die Hälfte der Leistung westlicher Modelle für ein Zehntel des Preises liefert. Tokens — die Recheneinheiten, in denen KI-Leistung abgerechnet wird — seien inzwischen austauschbare Massenware wie Strom: Dem Abnehmer ist egal, woher sie kommen. Blieben westliche Rechenzentren deshalb halb leer, geriete die ganze auf Kredit gebaute Kette ins Rutschen, an der inzwischen ein Großteil des US-Wachstums hängt, bis hinunter zu Banken und Sparkassen. Genau darum erwartet er im Zweifel Protektionismus: „Die USA können sich gar nicht leisten, dass dieses Chinarisiko sich wirklich materialisiert."

Abgleich mit dem OMR-Auftritt

Klöckners OMR-Vortrag und das Education-Interview vom Mai hatten wir hier bereits besprochen. Der Vergleich zeigt: Die China-These trägt er unverändert vor, schon auf der OMR nannte er die Discount-Strategie „die größte und relevanteste Gefahr" für die KI-Bewertungen. Gewachsen sind die Zahlen. Im Mai rechnete er Anthropics Monatsumsatz aufs Jahr hochgerechnet auf 44 bis 45 Milliarden Dollar, jetzt spricht er von 55 bis 60 Milliarden — und davon, dass von vier Dollar, die Firmenkunden für KI ausgeben, drei an Anthropic gehen. Wer die Auftritte nebeneinanderlegt, sieht ein konsistentes Weltbild mit laufend aktualisierten Zahlen — als Quelle taugt das mehr als die übliche Blasen-Panik und auch mehr als ihr Gegenteil.

Am Ende wird es philosophisch

Die Folge endet weit weg von der Börse. Auf die Frage der Moderatorin, ob wir „nur noch Hüllen" werden, die sich permanent beraten lassen und ausführen, antwortet Klöckner, wir hätten „so ein bisschen unseren Zweck erfüllt in der Entwicklung als Spezies": Wir hätten etwas gebaut, das uns übertrifft, und würden „zunehmend überflüssig" — Zeithorizont nach 2050. Akuter sei anderes: „Es wird nicht KI sein, die uns umbringt, sondern ein Mensch, der KI einsetzt." Die nahe Gefahr sieht er in Überzeugungskraft und Manipulation, gestützt auf das, was er maximale Informationsasymmetrie nennt.

Für Anleger bleibt als Kern seiner Antwort: in Szenarien denken statt auf einen einzigen Ausgang wetten, und unterscheiden, wer seine KI-Ausgaben aus eigenen Gewinnen zahlt und wer auf Kredit — eine platzende Blase wäre dann das, was sie historisch meistens war: teurer Dünger.

Quellen

Anmerkung: Auswertung auf Basis der YouTube-Untertitel der Folge; Zitate entsprechend behutsam normalisiert.

Stichworte

KI-Markt Philipp Klöckner Podcast

Kommentare

Noch keine Kommentare. Schreib den ersten.

Melde dich an, um zu kommentieren.